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Cyberversicherer wollen nicht mehr für KI-Fehler zahlen

Die meisten Versicherungsunternehmen nutzen selbst längst KI. Vielleicht wollen sie deshalb auch nicht mehr für deren Fehler auf Kundenseite haften.Rob Schultz / Shutterstock



Unternehmen, die KI für ihre internen Prozesse einsetzen, haben zunehmend Schwierigkeiten, das zu versichern. Denn inzwischen sind viele Versicherer stillschweigend dazu übergegangen, KI-generierte Outputs in ihren Policen von der Deckung auszuschließen oder zumindest deren Höhe zu limitieren – insbesondere, wenn es um die Bereiche Cybersecurity und Berufshaftpflicht geht. Und diejenigen, die das nicht tun, haben ihre Preise meist deutlich angehoben.



Das beobachtet auch Connor Deeks, CEO der KI-Beratung Codestrap, regelmäßig. Sein Unternehmen arbeitet mit verschiedenen Versicherungsgesellschaften zusammen: „Viele Versicherer fühlen sich nicht wohl dabei, KI-Outputs zu versichern, weil sie den Reasoning-Prozess nicht nachvollziehen können.“



KI-Ausschlussklauseln – bald neuer Standard?



Diese Entwicklung können auch andere Branchen-Insider bestätigen. Etwa Jason Bishara, Financial Practice Leader bei der NSI Insurance Group: „Die Risikobereitschaft der Versicherer verändert sich und entwickelt sich ständig weiter. Was KI betrifft, gibt es einige, die die Technologie einfach aus ihrem Risikoprofil streichen und entsprechende Anfragen ohne Ausnahme ablehnen.“



Andere Anbieter von Versicherungspolicen setzten stattdessen darauf, ihre Prämien zu erhöhen. Er habe zwar keine Zahlen zum Ausmaß dieser Erhöhungen, meint Bishara – diese seien jedoch erheblich. Allerdings behandelten die Versicherer KI-Anbieter anders als KI-Nutzer: „Wenn Sie ein KI-bezogenes Unternehmen oder speziell ein KI-Anbieter sind, ist die Wahrscheinlichkeit derzeit sehr groß, dass Ihr Antrag abgelehnt wird.“



In den letzten Monaten seien viele Versicherer zudem dazu übergegangen, ihren Kunden detaillierte Fragen zu ihrer KI-Nutzung zu stellen, um das Risiko potenzieller Zwischenfälle besser abschätzen zu können, hält Bishara fest. Letztendlich werde auch dieser Umstand es Unternehmen erschweren, ihre KI-Workloads zu versichern: „Unternehmen, die KI einsetzen, müssen mit Fragen zu ihren KI-Richtlinien und -Prozessen sowie der generellen Nutzung der Technologie rechnen“, hält der Experte fest.



Phil Karecki, CTO für den Versicherungssektor beim Managed-Services-Anbieter Ensono, kann das bestätigen – hält es jedoch nicht für ausgeschlossen, dass es sich lediglich um einen kurzfristigen Trend handelt: „Versicherungsunternehmen experimentieren kontinuierlich damit, wie sie Deckung leisten. Im Hinblick auf KI versuchen einige, streng regulierte Implementierungen von eher experimentellen Projekten zu trennen, wenn sie darüber entscheiden, ob Versicherungsschutz gewährt wird.“



Entsprechend gehe es nicht mehr um die Frage, ob KI zum Einsatz kommt, sondern ob sie reguliert ist und wenn ja wie, konstatiert der Manager. Regulierte KI-Tools, die in einem begrenzten Decision-Making-Prozess operierten, seien besser versicherbar. Experimentelle KI-Systeme ohne Monitoring und einfache Rollback-Möglichkeiten hingegen nicht. „Es handelt sich in meinen Augen eher um eine Neupositionierung, die in dieser Branche üblich ist. Manchmal werden bestimmte Policen auch einfach nur angeboten, um zu sehen, ob sie sich verkaufen“, konstatiert Karecki. Die Versicherer würden die Ergebnisse entsprechend bewerten, um dann zu entscheiden, ob sie wieder in den Markt einsteigen – oder ihn komplett aufgeben.



Angesichts der derzeitigen Unzuverlässigkeit vieler KI-Systeme hält es Dorian Smiley, CTO bei Codestrap, für nachvollziehbar, dass einige Versicherer KI-Outputs nicht mehr versichern wollen. Schließlich fehle den KI-Modellen in den meisten Fällen induktives Reasoning: „Und dennoch sprechen Unternehmen regelmäßig davon, Hunderte von autonomen KI-Agenten einsetzen und diese wie digitale Mitarbeiter behandeln zu wollen. Das ist verrückt – oder würden Sie einen Menschen einstellen, der nichts dazulernt, keine Informationen zuverlässig abrufen und seine eigene Arbeit nicht kritisch überprüfen kann?“



Versicherungsexperte Bishara rät IT-Entscheidern, die ihre KI-Workloads versichern wollen, auf Transparenz zu setzen: „Seien Sie ehrlich darüber, wie sie KI einsetzen. Wenn sie versuchen, ihre Risiken in diesem Zusammenhang unter den Teppich zu kehren, riskieren sie, dass ihre Ansprüche abgelehnt werden, wenn etwas schiefgeht. Das wollen sie nicht.“ (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation CSOOnline.com erschienen.